Geborgenheit

Streben nach Geborgenheit und Akzeptanz

Der Mensch sehnt sich nach Geborgenheit. Nach einer Gemeinschaft, in der er geschätzt und angenommen wird. Dafür ist er oft bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Heranwachsende tragen oftmals die Kleidung und hören die Musik, die angesagt ist; zahlreiche Mitarbeiter sind danach bestrebt, es ihrem Chef möglichst überall Recht zu machen. Und egal in welcher Altersgruppe oder welchem sozialen Milieu: Viele Menschen trauen sich nicht, eine abweichende Meinung zu äußern aus Angst, ausgegrenzt zu werden. Das Streben nach Geborgenheit führt sehr oft zu einer Unterwerfung vor der vorherrschenden Meinung. Denn die Akzeptanz von anderen Menschen ist an Bedingungen geknüpft: Ein Schönheitsideal, gute Leistungen, besonderer Mut, die richtige Einstellung usw. So wetteifern Menschen um die Anerkennung in ihrer gesellschaftlichen Gruppe; manchmal mit durchaus beachtlichen Leistungen, manchmal aber auch mit niederträchtigsten Schandtaten. Je nachdem, womit man gerade am meisten seine Anerkennung verdient. Die Verbrechen der Nazis wären ebenso wenig möglich gewesen wie die islamistischer Fundamentalisten oder anderer verbrecherischer Ideologien, wenn die entsprechenden Ideologen nicht durch zahlreiche Menschen unterstützt würden, die für Anerkennung alles zu tun bereit sind.

Religiöse Kritik

Spätestens bei religiösen Fundamentalisten kommt man nicht daran vorbei, sich einer Religionskritik zu stellen: Denn viele Verbrechen geschahen und geschehen aus religiösen Motiven und aufgrund religiöser Versprechungen: Falsche Versprechungen von Sündenablass oder ein Platz im Paradies haben zu den größten Sünden und zur Hölle auf Erden geführt. Doch diese Kritik trifft in keinem Fall die christliche Heilslehre, sondern nur den Missbrauch derselben.

Geborgenheit bei Gott

Denn Jesus ist für unsere Sünden gestorben, das Paradies steht denen offen, die an ihn glauben und ihn in ihr Leben aufnehmen. Leistungen müssen dafür keine erbracht werden. Dazu gibt es oftmals hitzige Diskussionen. Wenn wir keine Leistungen erbringen müssen, bedeutet das dann, dass man leben kann wie man will, solange man nur an Jesus glaubt? Dazu hat sich Jesus klar geäußert:

Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. (Matthäus 7,21)

Also muss man jetzt doch alles mögliche tun, um ins Paradies zu kommen? Und wenn ja, was denn genau? Dazu lohnt ein Blick auf Jesu Äußerungen vom Weltgericht:

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesem meiner geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
(Matthäus 25,34 - 40)

An Jesus zu glauben bedeutet, mit ihm in Beziehung zu stehen. Wer sich nur in Sicherheit fühlt durch materiellen Reichtum, mächtige Verbündete, Versicherungen, beruflichen Aufstieg usw. glaubt nicht an Jesus - denn Jesus offenbart sich im geringsten Mitmenschen. Dieser kann sich in verschiedenster Art äußern. Natürlich in Menschen aus der untersten sozialen Schicht, in Flüchtlingen (wie auch das Beispiel sagt mit dem Fremden), aber auch in Außenseitern in der Schulklasse und in der Firma. Diese Menschen als Abbilder Gottes wahrzunehmen, ihnen eine menschliche Würde zu geben schon alleine dadurch, dass man sie wahrnimmt, ihnen in die Augen sieht, mit ihnen spricht und wenn es geht ihnen hilft, das bedeutet Jesus in sein Leben aufzunehmen. Es bedeutet aber nicht, dadurch gerecht zu werden, denn gerecht vor Gott ist Niemand. Gerade weil sich Jesus im Geringsten äußert, besteht hier die Heilsbotschaft: Denn es geht nicht um einen Wettbewerb, wer das meiste an Arme spendet und wer die meiste Zeit mit Armen verbringt, um dann vor Gott treten zu können und zu zeigen, wie gerecht man ist. Denn wenn man das täte, hätte man es nicht für die Armen getan sondern nur für die eigene Anerkennung vor Gott. Stattdessen nimmt man den Ausgestoßenen als Abbild Gottes wahr, dient ihm indem man einen Weg sucht, ihm zu helfen bzw. dass er selber einen Weg findet. Nun wird jeder, der das tut, früher oder später nicht nur an seine finanziellen, sondern auch moralischen Grenzen stoßen. Denn es ist ein altes Lied, dass nicht jeder Bettler um sein Überleben bettelt, sondern dass es auch kriminelle Bettelbanden gibt. Auch wird nicht jeder Flüchtling wirklich verfolgt und manchmal sind Außenseiter auch deswegen Außenseiter, weil sie selber alle anfeinden. Dazu kommt, dass man oft nicht weiß, wie man helfen soll, denn finanzielle Wohltaten sind zwar manchmal genau das richtige, manchmal aber auch genau das verkehrte - wenn sie bewirken, dass der Empfänger sich mit seiner Lebenssituation abfindet und keinen Versuch unternimmt, wieder auf eigenen Beinen zu stehen oder wenn das Geld nur in Alkohol oder Drogen investiert wird.

Egal, wie man nun mit seinen Mitmenschen umgeht, man wird immer Fehler machen und man wird sich immer das eine oder andere Mal egoistisch verhalten. Genau hier aber liegt der entscheidende Punkt: Wenn man versucht mit Jesus in Beziehung zu leben, braucht man keine Angst zu haben, wegen jeder Verfehlung eine Standpauke oder eine Strafe zu erwarten. Man kann im Gebet seine Verfehlungen vor Gott bringen voller Vertrauen auf seine Güte. Wenn wir eine Verfehlung begangen haben, brauchen wir deswegen keine Leistung zu erbringen, um diese wiedergutzumachen. Denn Gott kennt uns und unsere Schwächen, er kann uns durch seinen Geist die Stärke schenken, es beim nächsten Mal besser zu tun, er kann Schwächen in Stärken verwandeln und das Unheil zum Heil wenden (siehe Kreuz, Symbol der Erlösung).

Wenn wir mit Jesus in Beziehung leben wollen, dann nimmt er uns an, egal wie wir aussehen, egal welche körperlichen und geistigen Fähigkeiten und Schwachstellen oder welche Vorgeschichte wir haben. Wir müssen uns vor Gott nicht beweisen, wir müssen keine Leistungen erbringen, um von ihm Gnade zu erhalten. Gottes Gnade ist ein Geschenk an uns. In dieser Geborgenheit können wir uns mit ihm auf den Weg machen. Auf diesem Weg bringt uns jedes ernsthaft gebetete Vater Unser ein Stück näher zu Gott und lässt uns seine Geborgenheit spüren.

Wer die Geborgenheit bei Gott erfahren hat, den schmerzt es nicht mehr so sehr, sie von anderen Menschen vorenthalten zu bekommen, wenn er deren Vorstellungen nicht entspricht. Er hat es dann aber auch nicht mehr nötig, sich vor ihnen zu unterwerfen und bekommt gerade dadurch die Anerkennung von anderen Menschen, welche diesen aufrechten Gang zu schätzen wissen. Die Geborgenheit vor Gott macht frei vor schädlichen Zwängen und gibt den Befreiten die Stärke, sich selbst in Gottes Liebe mit all seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren.

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